„TITEL“ Eberhard Havekost – Akademos

23.07.2013 - 19:18 Uhr

Title: Eberhard Havekost, Lifesize, B12 - 2012, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, Courtesy Eberhard Havekost, Anton Kern Gallery, New York und Galerie Gebr. Lehmann Dresden/Berlin. Foto: Werner Lieberknecht, Dresden
Title: Eberhard Havekost, Lifesize, B12 - 2012, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, Courtesy Eberhard Havekost, Anton Kern Gallery, New York und Galerie Gebr. Lehmann Dresden/Berlin. Foto: Werner Lieberknecht, Dresden

Eberhard Havekost gehört mit seiner schöpferischen Identität zu den Künstlern, die in den letzten zehn Jahren sowohl die neue deutsche Malere i geprägt als auch die internationale Kunstszene entscheidend beeinflusst haben, indem sie sich einerseits der Errungenschaften des digitalen Medienzeitalters für ihre malerischen Bildentstehungsprozesse bedienen und andererseits mit deren Auswirkungen auseinandersetzen. Die Subjektivität unserer Wahrnehmung sowie das Verhältnis von Subjekt und Objekt, vom Menschen zur Natur und der Welt der Dinge sind zentrale Fragestellungen, auf die sich Eberhard Havekost in seinen Werken konzentriert und mit denen er den Betrachter zur Reflexion herausfordert.

In der Reihe Akademos , die bereits zum achten Mal im Museum Küppersmühle stattfindet und das Werk der renommierten Professoren der Kunstakademie Düsseldorf vorstellt, widmet das MKM dem Künstler eine umfassende Werkschau mit rund 100 Arbeiten. Der Schwerpunkt liegt auf aktuellen Gemälden aus den Jahren 2008 bis 2013. Allein zwanzig, teilweise serielle Arbeiten sind 2013 im Vorfeld der Ausstellung entstanden und werden erstmalig präsentiert. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfassendes Künstlerbuch, konzipiert von Eberhard Havekost, mit Texten von Walter Smerling, Katy Siegel und Robert Fleck (dt./engl., 168 S.). Ausgehend von fotografischen Vorlagen, wendet sich Eberhard Havekost in seinen Gemälden von der Wiedergabe der sichtbaren Wirklichkeit ab und konstruiert seine Bilder unabhängig von Tradition und Natur neu. Alles – Menschen, Objekte, Landschaften, Architektur, Werbeplakate, Filmsequenzen – kann bei ihm zum Motiv werden. Sein fotografisches Ausgangsmaterial manipuliert er mittels digitaler Bildbearbeitung. Er wählt Ausschnitte, verzerrt die Motive, vergrößert oder verkleinert sie, greift in Farbgebung und Kontrast ein. Anschließend dienen ihm die Ausdrucke als eine Art modernes Skizzenbuch für seine Gemälde, die ganz „konventionell“
vom Auge in die Hand und mit Hilfe von Pinsel und Ölfarbe auf die Leinwand übertragen werden. Sie offenbaren ein faszinierendes malerisch es Können und eine große Vielseitigkeit.

Obwohl Eberhard Havekost die Motive häufig nur minimal der herkömmlichen Sicht entrückt und sich der Grad der Verfremdung in Grenzen hält, brechen seine Arbeiten Seh- und Denkgewohnheiten auf und regen zum Neu-Sehen/-Denken an. „Aus der Vielzahl von Bildern, die uns täglich begegnen, wählt er eines aus, malt es und gibt ihm so eine neue Bedeutung. Auf diese Weise schafft Havekost Gemälde, die stets den Wahrheitsgehalt des auf den ersten Blick Wahrnehmbaren hinterfragen und den Betrachter sensibilisieren wollen für die Subjektivität unserer Welt.“ , erläutert MKM-Direktor Walter Smerling.

Von der Zufälligkeit der Subjektivität

Gemäß Katy Siegel, Autorin des begleitenden Ausstellungskataloges, nimmt der Maler unseren Sehsinn und dessen Grenzen als ausschlaggebend für unsere Wahrnehmung und unser Erleben in den Fokus und widmet seine Arbeit den damit einhergehenden Schwierigkeiten. Ihr zufolge hat der Künstler daraus in den letzten fünf Jahren eine Arbeitsweise weiterentwickelt, deren malerische Ergebnisse das „Zufällige von Subjektivität“ demonstrieren. Auf diese Weise, wie unser Sehen nie ganz die Gegenstände zu fassen vermag, die sich drehen und wenden unter unserem Blick (…) und sich vor unseren Augen entmaterialisieren“. Es erscheint mithin als logische Konsequenz, dass sich – im Vergleich zu Havekosts früheren Arbeiten, die figurativ-gegenständlich konzipiert sind und sich häufig genug durch fotorealistische Perfektion auszeichnen – in seinen jüngeren Werken, auf die sich die Ausstellung „TITEL“ konzentriert, vermehrt abstrakte, oftmals in Serien angelegte Gemälde finden. Arbeiten wie Papier, B12-13 (2012/13), Licht 1 – 3, B13 (2013) und Ausdruck 1+2, B13 (2013) illustrieren dies stellvertretend für viele andere. Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, hierin die Tendenz für einen Paradigmenwechsel in Havekosts Werk zu sehen, also eine Entscheidung für oder gegen Abstraktion bzw. Figuration, wie sie als eindeutige Positionierung für die Maler des 20.Jahrhunderts noch obligatorisch war. Dem Künstler geht es vielmehr um die Überwindung vonGegensätzen, darum den Boden zu bereiten für einen neuen, differenzierten Umgang mit uns, unserer Umwelt und dem Wesen der Dinge, die uns umgeben: „Seine neueren Gemälde, mit die besten bislang, erproben die Abkehr von vertrauten oppositionellen Kategorien – Fotografie und Erleben, mein und dein, Subjekt und Objekt – , um vielmehr Momente der Interaktion zwischen ihnen aufzuspüren, die ihren eigenen Namen, ihre eigenen Gemälde verdient haben.“
(Katy Siegel)



Der Titel „TITEL“ und die Reihe Akademos
Das Durchbrechen, Auflösen und Überwinden von Altbekanntem und Gewohntem setzt der Künstler konsequent in der Wahl seiner Werktitel fort, die zunächst nicht zum Dargestellten passen wollen und den aufmerksamen Betrachter stutz en lassen, z.B. bei Fast Food 1+2, B13 (2013) oder Schöner Wohnen B12 (2012). Auch der Ausstellungstitel „TITEL“ ist hierfür charakteristisch. Er greift nicht nur auf die Werk- und Ausstellungsbezeichnung zurück, wie es im Bereich der Kunst nahe liegt, sondern beinhaltet weitere Assoziationen. So nimmt er auch Bezug auf den Titel, den eine Person sich erwirbt oder verliehen bekommt und der mit bestimmten Insignien verbunden ist – in Havekosts Fall auf seinen Titel als Professor und Lehrbeauftragter der Kunstakademie Düsseldorf. Dieser wiederum ist ursächlich für die Reihe Akademos , die seit 2001 in regelmäßigen Abständen im MKM stattfindet. Sie würdigt das Werk der Akademieprofessoren mit dem Ziel, den Diskurs zwischen Kunstakademie und Museum, die Diskussion und Auseinandersetzung über Kunst- und Akademiegeschehen lebendig zu halten. Die Akademos-Schauen mit Siegfried Anzinger (2001), Hubert Kieco l (2002), Rissa (2003), A.R. Penck (2003), Rosemarie Trockel und Markus Lüpertz (2006), Jörg Immendorff (2007) und Anthony Cragg (2011) haben zu diesem Dialog bereits beigetragen. Die Ausstellung „TITEL“ mit Werken von Eberhard Havekost setzt ihn im Jahr 2013 fort.

Eberhard Havekost
Eberhard Havekost, geboren 1967 in Dresden, studierte in den 1990er Jahren an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, ab 1997 dort als Meisterschüler von Ralf Kerbach. Seitdem wurden seine Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und sind mittlerweile in mehreren internationalen Sammlungen wie z.B. der des Museum of Modern Art, New York oder der Tate Modern, London vertreten. 2010 wurde er an die Kunstakademie Düsseldorf berufen – eine Laufbahn, die der von Otto Dix, Gotthard Graubner und Gerhard Richter gleicht. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellungspublikation
Zur Ausstellung erscheint ein umfassendes Künstlerbuch, konzipiert von Eberhard Havekost, mit Texten von Walter Smerling, Katy Siegel und Robert
Fleck [dt./engl., 168 Seiten, 111 farbige Abbildungen, 28,50 Euro (Museumsausgabe), Wienand Verlag, Köln, ISBN 978-3-86832-169-2].

Organisation / Sponsoring
„TITEL“ Eberhard Havekost – Akademos ist eine Ausstellung der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn. Sie wird gefördert von der Evonik Industries AG und der Sparkasse Duisburg.

Laufzeit
12. Juli bis 20. Oktober 2013

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