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“Ruhr 2010? Peinlichkeiten ohne Ende“
Ein Meister der Diplomatie ist Olaf Metzel nicht. Meisterhaft ist indes die Art, wie der Berliner Bildhauer mit verschidensten Materialien umgeht. Wer sich selbst davon ein Bild machen möchte, kann dies ab dem 26. Februar im Duisburger Museum Küppersmühle tun.
Wer Olaf Metzel ins Museum holt, sollte nicht allzu repräsentationssüchtig sein. Nicht nur, dass der Berliner Bildhauer seine Skulpturen vorzugsweise aus bergeweise Turnhallentrümmern und demoliertem Klassenzimmermobiliar zusammensetzt. Er stößt auch gerne mal vor den Kopf.
Dass Metzel das Geschäft mit dem künstlerischem Disput und öffentlicher Kontroverse dabei souverän beherrscht, bewies der 58-Jährige gestern im Duisburger Museum Küppersmühle. Da eröffnete er seine jüngste Ausstellung mit einer Breitseite gegen die Kulturhauptstadt Ruhr 2010: „Peinlichkeiten ohne Ende, vom Logo bis zur Grönemeyer-Hymne. Mit Kunst hat das gar nichts zu tun.” Ob seine für Duisburg geschaffene Aluminium-Skulptur „Schicht am Schacht” zum Gegenentwurf taugt, kann man ab Freitag sehen. Museumschef Walter Smerling will jedenfalls Sponsoren gewinnen, um die Arbeit als etwa 20 Meter große Außenskulptur im Duisburger Innenhafen zu realisieren.
Kritisch aufgeladene Kunst, die im gesellschaftspolitischen, im sozialen Raum verankert ist, gehört zu seiner Domäne. „Volkskunst” nennt er das, auch wenn das Prinzip nicht immer so offensichtlich wird wie in der Rauminstallation „ichhasseschule”, an der Münchner und Duisburger Berufsschüler ihre Aggressionen produktiv an zerdepperten Tischen und bekritzelten Stühlen abarbeiten konnten. Ein Kommentar zum Rohstoff Bildung, zu dem sich Metzel von einem Zeitungs-Artikel inspirieren ließ.

Ein Jahr lang hat er drei regionale Tageszeitungen abonniert und die gewonnenen Erkenntnisse in künstlerische Projekte wie .„Und dann noch das Wetter” münden lassen. Ein zur Decke ragender Nachrichten-Wildwuchs, der den immer unübersichtlicher werdenden Informationsraum begreifbar macht. Die Arbeit „Hartz IV wird fünf” gerät in ihrer Verschmelzung bunter Billigmöbelhaus-Beilagen zur „skulpturalen Apotheose des Alltagsgeschmacks.“
„Produktion gleich Provokation“
„Produktion gleich Provokation”, heißt Metzels Wirkungsgleichung. Zur Not funktioniert das auch mit dem Baseballschläger. „Noch Fragen?. heißt eine zentral platzierte, vor zehn Jahren entstandene und erschreckend aktuell wirkende Arbeit aus mit Tarnstoff verknüpften Baseballschlägern. Keine freundliche Aufforderung zum Nachhaken, sondern knallharte Mundtotmache. Dabei ist der Berliner Künstler doch einer, der an den Dialog glaubt, „den die Kunst immer noch und immer mehr bieten kann”.
Gelegentlich muss er sich zwar vom Gegenteil überzeugen lassen, doch auch das ist Teil seiner Arbeit. Als wütende Kritiker vor drei Jahren seine Bronzefigur „Turkish Delight”, die nackte Figur eines türkischen Mädchens mit Kopftuch, vom Podest stießen und Drohbriefe an Metzels Galeristen schickten, da war das gleichzeitig auch Material für die nächsten Arbeiten.
Eine Mädchen-Bronze steht nun in Duisburg, mit Blick auf den Innenhafen, die andere fand inzwischen ihren Platz am Bosporus. „Mehr”, sagt Metzel, „kann man sich doch nicht wünschen.”
derWesten.de 23.02.2010, Martina Schürmann
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