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City-Anbindung an den Innenhafen

Momentaufnahme
Die Münzstraße ist inzwischen zu Duisburgs wohl heruntergekommenster Einkaufsmeile geworden. Wer sich das Treiben dort anschaut, den schaudert's.
Mit dem Landesarchiv am Schwanentor bekommt Duisburg Ende 2012 ein Juwel, dessen Strahlkraft nicht nur auf den Innenhafen fallen soll, sondern auch auf ein Innenstadtviertel, das Glanz mehr als dringend benötigt.
Steiger Schwanentor
Duisburgs Hafenrundfahrten starten im wesentlichen unterhalb der Schwanentorbrücke. Auswärtige, die hier auf ein Rundfahrtschiff steigen, sollten am besten die Augen schließen und erst wieder an Bord öffnen. Die einst nach den Vorstellungen von Lord Norman Foster im Rahmen des Masterplans Innenhafen gebaute Betonwüste war und ist ein hässlicher, lebloser Klotz. Werbetafel an an der der Straße zugewandten Seite machen das nicht besser. Wer einmal ein graues, schmutzige Tuch im Wind flattern sehen will, der findet es dort an einem Fahnenmast. Die Schrift ist so verwittert, dass sich der hier werbende nur noch erahnen lässt. Hier bedürfte es weder eines Entwicklungskonzeptes noch eines gut zu kalkulierenden Finanzplans, um die Flagge abzunehmen. Die Visitenkarten der hierfür zuständigen werden mit Sicherheit schöner aussehen als diese Eintrittskarte in die Stadt. Aber vermutlich lässt sich kein Verantwortlicher ausmachen. Duisburgs Innenstadtentwickler Oehmke sollte sich ein Herz fassen und einfach Tatsachen schaffen, auch wenn es hinterher mit dem Fahnenbesitzer Ärger geben sollte.
Der Calais-Platz
Das Wissen darum, dass hier städtebaulich etwas passieren soll, ist nur ein schwacher Trost. Auf dem kleinen Parkplatz zwischen dem heruntergekommenen Parkhaus auf der einen und der Schwanenstraße auf der anderen Seite hat jemand einen Papierkorb ausgekippt. Der Müll passt ins Bild und wirkt dort nicht einmal wirklich störend. Wer hier seinen Wagen abstellt, muss in einer Notlage sein oder aber auf einen Pkw-Aufbruch spekulieren.
Münzstraße
An dem Platz beginnt (oder endet) die fußläufige Münzstraße. Den Pächtern der dortigen Restauration muss man ein Kombliment machen. Sie unternehmen zumidenst den Versuch, Leben in die Zone zu bringen, während ein Bettengeschäft mit Dauer-Ausverkaufs-Schildern ausdrücklich fürs Schlafen wirbt. Aber wer mag in solch einer Umgebung feine Bettwäsche kaufen oder sich ins Eiscafé setzen, dass am Rande der Ödnis liegt. In anderen Städten ist es möglich, dass zwischen breiten Bürgersteigen einspurig die Autos in eine Richtung fahren können. Solch eine Lösung wäre möglicherweise die Rettung für die drohende "Verslumung".
Eine Duisburger Traditionsadresse ist "Gummi Dressler". Das Fachgeschäft für Luftmatratzen, Zelte, aufblasbare Schwimmtiere und tausende von klitzekleinen und großen Artikeln für Camping und Freizeit scheint eine riesige Stammkundschaft zu haben. Denn Laufkunden gibt es in diesem Teil der Münzstraße eigentlich nicht mehr, seitdem gegenüber C & A die Türen geschlossen hat. Hier brummte es früher wirklich, genau so wie schräg gegenüber bei Sinn & Leffers. Was war das einmal für eine wunderbare Adresse! Heute gibt es dort Restposten – das passt zumindest ins Straßenbild.
Münzplatz
Vor der Haustüre des Textilers ist einzig der Delfin-Brunnen noch ein vergnüglicher Anblick, wenn sich dort nicht gerade abgewrackte Gestalten die Bierpullen an den Hals halten. Woher nehmen die dortigen Gastronomen nur den Mut, es ihren Gästen so schön zu machen, wie es dort gerade noch geht. Dass das Elend auf der Straße noch steigerungsfähig ist, kann man kaum glauben, bis man zur Seite in die Beekstraße schaut. Aber das ist ein anderes Kapitel.
Mit Peek und Cloppenburg am Rande des Münzplatzes hatte Duisburg einst einen großen Wurf gemacht. So hieß es vor rund zwei Jahrzehnten. Wer etwas älter ist, der erinnert sich daran, mit welchen Glanz und Gloria dieses Bekleidungsgeschäft an den Start ging. Hochwertige Anzüge und Kostüme gab es dort zu kaufen. Anfangs! Denn viel zu schnell wurde dort die 1-A-Ware aus dem Programm genommen und Duisburger Durchschnitt zog wieder ein.
Wie lange wird der Textiler dort noch durchhalten, wo doch nebenan schon Billigläden aufgeben? Zwischen Münzplatz und Steinsche Gasse war einst so etwas wie eine Schuhmeile, und manch ein kritischer Geist mokierte, dass eine solche Konzentration wenig bereichernd wirke. Ach, gäbe es doch an dieser Stelle wenigstens noch ein einziges Geschäft mit hochwertigem Schuhsortiment! Zwischen so viel Billigangeboten, wie sie sich heute dort finden, konnte selbst die einzige Apotheke wohl nicht mehr überleben.
Stadtfenster
Einzig der berühmt-berüchtigte Knüllermarkt lockt die Massen. Das Kaufhaus für Schnick und Schnack und Deko und Kitsch und Krams ist so einzigartig, dass es sogar Kundschaft außerhalb von Duisburg anzieht. Es hat ohne Frage Kultstatus. Noch! Denn über dem ehemaligen Boeckerhaus kreist bekanntlich der Abrissbagger, der Platz machen soll für das neue Stadtfenster. Ob es dem neuen Zentrum für Bildung gelingen wird, der Münzstraße wieder Leben einzuhauchen? Kaum vorstellbar.
© RP 14.04.2010, Hildegrad Chudobba
Duisburg: Der Weg zur Besserung
Dass es mit der Münzstraße so nicht weitergehen kann, ist unstreitig. Auswege will ein Gutachten aufzeigen, das die SGE Stüdemann-Grundbesitzer-Entwicklung GmbH mit Sitz in Ruhrort in Auftrag gegeben hatte. Beteiligt waren die Architekten und Stadtplaner des Duisburger Büros agiplan integrale bauplanung (aib), die Landschaftsarchitekten des Büros FSWLA aus Düsseldorf sowie die Verkehrsexperten der Planersocietät aus Dortmund. Die abschnittsweise Verwirklichung der Studie soll nun von der Innenstadt Entwicklungsgesellschaft (IDE) übernommen werden. Dazu gehört auch eine fundierte Kostenabschätzung für die Gestaltung des Calaisplatzes.
Der gilt als wichtiges Bindeglied zum künftigen Landesarchiv im Innenhafen. Dort sollen mehrere hundert Menschen arbeiten, und wenn die den Weg in die City suchen, sollen sie nach dem Willen der Planer über einen völlig neu gestalteten Calaisplatz in die Münzstraße kommen. Dort wird vornehmlich kleinteiliger Einzelhandel positionieren. Die SinnLeffers-Immobilie soll nach diesen Plänen entweder ganz abgerissen oder durchlässig werden, um eine bessere Querverbindung der Münzstraße zur Schwanenstraße, zum Rathaus und zur Beekstraße zu gewährleisten. Das alles erfordert allerdings immense Investitionen.
© RP 14.04.2010
Münzstraße: neu, aber autofrei Das Anfang März vorgestellte neue Konzept für die Münzstraße würde nach seiner Umsetzung nicht nur die einstige Einkaufsmeile selbst verbessern. Eines der Kernpunkte: Die SinnLeffers-Immobilie wird abgerissen oder umgebaut.
Manfred Stüdemann hat eine Vision. Die Vision einer Münzstraße, die so ganz anders aussieht als das, was wir heute haben. Zwischen dem neuen "Königsplatz" vor der Königsgalerie und einem völlig veränderten Calaisplatz soll sich wieder richtiges urbanes Leben abspielen – ohne Autos. Die Eckpunkte des Konzepts:
Calaisplatz: Der Parkplatz verschwindet, hier sollen Wasserspiele (im Sommer) und eine Eisbahn im Winter installiert werden. Der Platz eignet sich dann auch für Außengastronomie. Finanziert werden könnte dies durch ein privat-öffentliches Modell (PPP), so Stüdemann. Die Toiletten am Steiger Schwanentor werden nach unten verlegt, das Gebäude abgerissen. Ein neuer Pavillon könnte Gastronomie beherbergen.
Die Uferpromenade des Innenhafens wird verlängert. Die auf eine Fahrspur reduzierte Schwanenstraße wird vom Durchgangsverkehr befreit. Ein "shared space"-(gemeinsam genutzter) Bereich entsteht am Übergang vom Calaisplatz zum Innenhafen. Im Erdgeschoss des Conti-Parkhauses ist Platz für Einzelhandel oder ein Lebensmittelgeschäft. An Stelle der Holzhandlung Schweitzer entsteht ein Büro- und Dienstleistungskomplex.
Münzstraße: Einzelhandel gibt's nur noch im Erdgeschoss, und dort auch nur kleinteilig. Nach C & A gehören bald auch SinnLeffers und Peek & Cloppenburg der Vergangenheit an. Die Obergeschosse sind Büros und Wohnungen gewidmet. Gemeinsame "Spielregeln" in Bezug auf die Fassaden, Werbeschilder und Präsentation von Waren im Außenbereich sollen für eine einheitlichere und attraktivere Gestaltung sorgen. Aus einer reinen Einkaufszone soll eine gemischt genutzte Flaniermeile werden.
Münzplatz: SinnLeffers reißt die jetzige Immobilie mit dem selbst ernannten "Outlet Center" ab, das Martin Linne vom Stadtentwicklungsamt als "Rudis Resterampe" bezeichnete. Dort entstehen zwei von einander getrennte Bauten. Alternativ wird der vorhandene Bau in zwei Körper geteilt, so dass die Kühlingsgasse bis zum Großen Kalkhof verlängert wird. Erschwert wird dies dadurch, dass SinnLeffers nach der Insolvenz nicht einfach viel investieren kann. Das gilt auch für C & A, das zu einem Immobilienfonds von Dawney Day in London gehört. Auch Dawney Day befindet sich in der Insolvenz.
Königsplatz: Vor der Königsgalerie entsteht durch den Abriss der Glas-pavillons und einer verkehrsberuhigten Steinschen Gasse ein großer freier Raum bis hin zum Burgplatz, der von Fußgängern und Autofahrern gleichermaßen genutzt wird.
Die Umsetzung wird einige Jahre dauern. Das jetzt vorliegende Gutachten soll von der Innenstadt-Entwicklungsgesellschaft konkretisiert werden. "Ende des Jahres könnte hier schon eine detaillierte Planung vorliegen", wünscht sich Manfred Stüdemann.
© RP 06.03.2010, Mike Michel
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