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Earport - Abgang mit Wehmut und Ärger

„Wir betonen, dass wir nicht gehen müssen, sondern gehen möchten!“ Eine Prise Wehmut und Ärger klingt dennoch aus den Worten von Gerhard Stäbler.
Stäbler hat zusammen mit seinem Partner Kunsu Shim innerhalb von zehn Jahren das „Earport“ am Innenhafen zu einem Zentrum für zeitgenössische Musik mit weiter internationaler Ausstrahlung aufgebaut.
Damit ist jetzt Schluss. Die beiden Komponisten und Performancekünstler wohnen seit kurzem in Mülheim und haben den auf zehn Jahre befristeten Mietvertrag nicht verlängert.
Nicht nur für Duisburg, wo sie an verschiedenen Orten weit über 100 Veranstaltungen mitgeprägt haben, ist der Weggang ein großer Verlust. Auch für den „Garten der Erinnerung“, von Danny Karavan als kulturelle Begegnungsstätte geplant, fällt damit ein wesentlicher Beitrag zur zeitgenössischen Musik und Kunst weg.
Auf einer kleinen Abschiedsfeier im „Earport“ zog Prof. Christoph Brockhaus, der ehemalige Direktor des Wilhelm Lehmbruck Museums, der eng mit Stäbler und Kunsu Shim gearbeitet hat, ein radikales Fazit: „Mit dieser Entscheidung müsste dieses Haus eigentlich abgerissen werden. Denn ohne kreatives Leben hat es seine Bedeutung verloren.“
Wie kam es zu der Entscheidung der beiden Künstler, die sich in Duisburg nach eigenen Angaben pudelwohl gefühlt haben und den Innenhafen als ihre Heimat bezeichneten, die sich so engagiert ins Kulturleben der Stadt einbrachten, dass Gerhard Stäbler 2003 mit dem angesehenen Musikpreis der Stadt Duisburg“ ausgezeichnet wurde?
Im „Earport“ bezogen sie zu einem ermäßigten Mietpreis zwei Etagen, die sie im Erdgeschoss als Arbeits- und Aufführungsräume nutzten, im Obergeschoss als privaten Wohnbereich. Seit mehreren Jahren stehen sie mit der Stadt in Verhandlung, um beide Etagen künstlerisch nutzen zu können. Dahinter steht die Absicht, ein Zentrum für zeitgenössische Musik mit einer großen Handschriftensammlung zu errichten. Eine Absicht, die sowohl vom Oberbürgermeister als auch vom Kulturdezernenten immer wieder befürwortet wurde.
Von Seiten der Stadt hat sich nichts getan Die Organisation würde das Künstlerpaar unentgeltlich übernehmen. Allerdings nur, wenn diese Räume mietfrei zur Verfügung gestellt würden. Schließlich müssten sie eine private Wohnung beziehen, und zwei Wohnungen bezahlen wollen und können sie verständlicherweise nicht.
In den letzten drei Jahren hat sich von Seiten der Stadt nach Angaben von Gerhard Stäbler in dieser Sache nichts getan. Kulturdezernent Karl Janssen sieht sich außerstande, die Forderungen zu erfüllen und verweist auf die GEBAG als Eigentümerin. Stäbler müsste die Mietverhandlungen mit der GEBAG selbst führen, der Stadt seien die Hände gebunden.
Kein Wunder, dass sich Stäbler und sein Freund von der Stadt im Stich gelassen fühlen. Bei echtem Interesse für die Arbeit der beiden, die auf ihren umfangreichen Reisen den Namen Duisburg in viele Winkel der Welt brachten, hätte sich eine Lösung finden lassen können.
Derzeit prüft Stäbler Angebote anderer Städte. „Earport“ schließe zwar in Duisburg, sei aber nicht tot.
Auch in Duisburg werden die beiden im September in Erscheinung treten. Und zwar im Tanzstudio „The Roof“. Dessen Initiatoren, Avi Kaiser und Sergio Antonino, sind einst auf Betreiben Stäblers an den Innenhafen gezogen. Sie trugen auch zur Abschiedsfeier mit einer Bewegungsstudie bei. Bernd Bleffert beschäftigte das Publikum mit zwei Performances. Es gab noch einmal Musik von Cage, Stäbler und Kunsu Shim zu hören.
Zum letzten Mal in diesen Gemäuern. Ein Verlust für Duisburg.
© derWesten.de 07.06.2010
>> Earport im Haus Trinks
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