15 Jahre Bologna-Reform: Brunel und Verein Deutscher Ingenieure zum Status Quo

Der Handlungsbedarf ist groß: Mehr Praxis- und Auslandssemester für Berufseinsteiger nötig

Sowohl Führungskräfte als auch Studierende und Absolventen bemängeln den geringen Praxisbezug während des Ingenieurstudiums an deutschen Hochschulen und Universitäten. Dies ist eine der Kernaussagen der gestern veröffentlichten Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), der Stiftung Mercator und des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das Ziel der Untersuchung: 15 Jahre nach Inkrafttreten der Bologna-Reform sollten der Status Quo sowie aktuelle Herausforderungen der Ingenieurausbildung in der Bundesrepublik analysiert werden. Teilgenommen haben rund 3.500 Studierende, Hochschullehrende, Fach- und Führungskräfte sowie Absolvent/-innen aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften. Das Studienergebnis zeigt zwar, dass die Ingenieurausbildung in Deutschland zukunftsfähig ist und mittlerweile auch Bachelor- und Masterabschlüsse national wie international anerkannt sind. Allerdings fehlen gerade grenzübergreifend agierenden Unternehmen wie dem Ingenieurdienstleister Brunel GmbH, der auch mit einer Niederlassung in Duisburg vertreten ist, neben intensivem Praxisbezug auch ausgeprägte Auslandserfahrungen der Absolventen.

Höhere Praxisorientierung für internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen

Konkret wünscht sich die Brunel GmbH, die auch an der 2015 durchgeführten Umfrage teilnahm, deutlich mehr Praxissemester und Projektphasen innerhalb der Studiengänge: „Je höher der Praxisbezug während der Ausbildung ist, desto schneller finden sich die Absolventen in der freien Wirtschaft zurecht“, sagt Markus Eckhardt, Geschäftsführer der Brunel GmbH, deren Kunden aus dem Technologiebereich kommen. „Diese Unternehmen suchen Nachwuchs mit Organisationsfähigkeit, breitem Grundlagenwissen, interdisziplinärem Denkvermögen und ersten Erfahrungen im Arbeitsalltag“, so Markus Eckhardt. „Eben diese Fertigkeiten erlernen Studenten in Praxisphasen.“ Laut der VDI-Studie unterscheiden sich in diesem Punkt allerdings Hochschul- und Universitätsstudierende: „An den Fachhochschulen werden Praxismodule stärker integriert als an Universitäten“, so Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, der Präsident des VDI.

Bedeutung der Auslandserfahrung wird unterschätzt

Die Umfrage ergab außerdem, dass weder Studierende noch Führungskräfte bei Unternehmen einen Auslandsaufenthalt während des Studiums als besonders wichtig erachten. Über dieses Ergebnis zeigen sich der VDI und Brunel gleichermaßen verwundert: „Deutschland ist eine der größten Exportnationen weltweit. Die Ingenieure von morgen müssen daher unbedingt internationale Erfahrungen sammeln“, verdeutlicht Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer. Auch Markus Eckhardt betont angesichts des steigenden Kundenbedarfs nach auslandserfahrenen Spezialisten sowie der voranschreitenden Digitalisierung und dem damit einhergehenden Verschwimmen der Ländergrenzen, dass „Ingenieure immer mehr in internationalen Teams zusammenarbeiten und auch ganze Projektphasen im Ausland verbringen werden. Ohne jegliche Erfahrung oder mit geringen Sprachkenntnissen werden es deutsche Jungingenieure schwer haben.“ Einer der Gründe, warum sich Studierende gegen den Schritt in die Fremde entscheiden, ist die befürchtete Verlängerung der Studienzeit. Markus Eckhardt schwächt diese Bedenken ab: „Mit einem ins Studium integrierten Praxissemester erhöht sich die Regelstudiendauer nicht. Außerdem erwerben die Studierenden neben Sprachkenntnissen für das spätere Berufsleben relevante Soft-Skills, die ihnen dabei helfen, nach dem Abschluss schnell bei einem Unternehmen Fuß zu fassen.“

Die komplette Studie können Sie unter www.vdi.de/bologna kostenfrei herunterladen.

Informationen zur Studie

Dauer: 2 Monate

Teilnehmerzahl: rund 3.500

Teilnehmer: Ingenieursstudent/-innen, Absolvent/-innen, Hochschullehrende und Führungskräfte aus Unternehmen

Aufbau:
- Monitoring-Bericht, in dem die öffentliche Diskussion zur Strukturreform des Europäischen Hochschulraums hinsichtlich der Ingenieurwissenschaften und die Positionen relevanter Akteure dargestellt werden

- Bestandsaufnahme zur ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung in Deutschland, in der Fakten des Statistischen Bundesamtes sowie Daten zu Studienangeboten zusammengefasst werden

- Online-Befragung von Studierenden, Hochschullehrenden, Fach- und Führungskräften und Absolvent/-innen im Bereich Ingenieurwissenschaften

Das Unternehmen Brunel

Mit über 40 Standorten und einem Netzwerk von rund 3.000 hoch qualifizierten Mitarbeitern ist die 1995 gegründete Brunel GmbH einer der führenden Ingenieurdienstleister Deutschlands. Seit mehr als 20 Jahren setzen die Brunel Ingenieure, IT-Spezialisten, Entwickler, Techniker und Manager im deutschsprachigen Raum Projekte in der ganzen Bandbreite modernen Engineerings um. Dabei lösen die Brunel Experten komplexe Aufgaben entlang der gesamten Prozesskette: von der Entwicklung über Konstruktion, Verifikation, Prototyping und Testing bis hin zum Management Support. Zudem verfügt der Ingenieurdienstleister neben spezialisierten Projektbüros auch über Entwicklungszentren mit Kompetenzen in den Bereichen Engineering, Prüfstandbau, Hard- und Softwareentwicklung sowie Prüfungen für die Fahrzeug- und Verkehrstechnik. Die Brunel GmbH ist Teil der Unternehmensgruppe Brunel International N.V., die mit mehr als 13.000 Mitarbeitern an 109 Standorten in 37 Ländern aktiv ist.

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