Der Innenhafen Duisburg – von damals bis heute

Teil 1 - Geschichtliche Entwicklung

10.02.2016

Geschichten leben von überraschenden, manchmal tragischen Wendungen. Vor allem aber von einem Happy End. Bei dieser Innenhafen-Geschichte ist es nicht anders, und eben deshalb ist sie es wert, erzählt zu werden. Schon bevor die Duisburger vor rund 150 Jahren das Industriezeitalter auch im neu gegründeten Innenhafen einläuteten, mussten ihre Vorfahren bereits zahlreiche, mächtige Hürden überwinden. So beispielsweise rund ums Jahr 1200. Nach einem verheerenden Hochwasser änderte der Rhein – der damals noch an der Stelle des heutigen Innenhafens verlief sein Bett. Ruhrort kam von der linken auf die rechte Uferseite zu liegen, und die Zufahrt war nun zu schmal für große Kähne, sodass sie die Stadt nicht mehr erreichten. Das Zentrum war verlagert.

Es dauerte viele Jahrzehnte, bis sich die einst so wichtige Handelsstadt von diesen Natur-Wirren erholt hat. Erst um das Jahr 1670 waren erneut ununterbrochene Rangfahrten zwischen Duisburg und den Niederlanden zu beobachten. Die Region galt wieder als bester Lösch- und Liegeplatz. Extra angelegte Umschlagplätze am Rheinufer lagen aber zu weit vom Zentrum entfernt und sorgten für mühevolles Be- und Entladen der Schiffe. Fehlende Lagerhäuser und Verladeeinrichtungen machten es schwierig, den Umschlagplatz aufrechtzuerhalten, bis die französische Besatzung im Jahr 1810 schließlich die gesamte Börtschifffahrt zum Erliegen brachte. Bereits 1815 erwachen Handel und Schifffahrt wieder zum Leben – doch die Verlegung des Hauptsteueramtes sorgt für neuen Unmut: Bei Regen wandelt sich der Weg dorthin in ein Sumpfgebiet, Transporte bleiben regelmäßig stecken. Ein Kanal vom Rhein bis zur Marientorschleuse war die Lösung und lockte sogleich überregionale Interessenten (insbesondere Kohle-, Tabak-, Holz- und Getreidehändler) an. So veranlasste man auch eine direkte Verbindung zur Ruhr. Doch der Tribut an eine neue Zeit machte den Bau des Kanals schnell überflüssig, teilweise wurde er deswegen wieder zugeschüttet.

Dann – endlich – eine neue Aufgabe für den Duisburger Umschlagplatz: Die Entwicklung der Kohleförderung im gesamten Ruhrgebiet trieb auch den Holzhandel enorm voran. Dampfsäge- und Hobelmühlen sowie zu Zeichen der Zeit Flößen zusammengebundenes Rundholz auf dem Wasser prägten das charakteristische Bild am Innenhafen jener Zeit. Bis Dampfmaschinen den Floßverkehr nach und nach ersetzten und auch handliches Schnittholz das klobige Rundholz ablöste. Der Holzhandel fand immer weniger auf dem Wasser als vielmehr über Land statt – der Innenhafen verlor an Attraktivität. Losgelöst von Holz und Kohle verraten heute noch denkmalgeschützte Speichergebäude entlang der Innenhafen-Promenade den Standort als einstige Kornkammer. Parallel zur Anwerbung von Holzunternehmen lockte man weitere Unternehmen mit Hafen-Grundstücken in die Region. Getreideunternehmer und Spediteure siedelten sich an und sicherten damit zugleich die Versorgung der Menschen mit Grundnahrungsmitteln. Duisburg wuchs zur größten Mühlenindustrie Westdeutschlands. Die Kontrolle über den Mehl- und Getreidehandel während des ersten Weltkrieges führte jedoch zu einer Misswirtschaft, außerdem rissen mehrere Staubexplosionen massive Löcher in die Silo-Skyline. Erst Mitte der 1930er Jahre erholte sich die Getreideindustrie wieder, um im Zweiten Weltkrieg einen erneuten Rückschlag zu erfahren. Fortschrittliche Fertigungstechniken und bessere Transportmöglichkeiten über die Straße ließen den Wasserstraßenstandort an Bedeutung verlieren. Anfang der 70er ist die Zeit des Brotkorbes im Ruhrgebiet dann endgültig vorbei und in den 90ern schließlich hängt die Existenz des Innenhafens an einem seidenen Faden.

Die Stadt Duisburg und die Internationale Bauausstellung Emscher Park jedoch hielten schon ein neues Projekt bereit das bis heute funktioniert und machen damit aus der wechselhaften Geschichte eine mit Happy End. Mehr dazu im 2. Teil in Kürze.

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