K.O. GÖTZ - Retrospektive zum 100. Geburtstag

21.03.2014 - 16:09 Uhr

Giverny VII/1, 1988 Mischtechnik auf Leinwand, 200 x 260 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 Foto: Olaf Bergmann, Witten
Giverny VII/1, 1988 Mischtechnik auf Leinwand, 200 x 260 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 Foto: Olaf Bergmann, Witten

Der Name K.O. Götz ist wie kein anderer mit dem deutschen Informel verbunden. Im Februar 2014 feierte der Künstler seinen 100. Geburtstag. Anlass für das MKM Museum Küppersmühle, diesen großen Maler der abstrakten, informellen Kunst und sein Lebenswerk mit einer umfassenden Retrospektive zu ehren. Die Werkschau versammelt rund 80 Arbeiten aus fast sieben Jahrzehnten künstlerischen Schaffens ab Mitte der 1930er Jahre bis zu einem seiner jüngsten Werke aus dem Jahr 2010. Sie bezeugen, mit welch beeindruckender Intensität sich K.O. Götz von Beginn an bis ins hohe Alter einem großen Thema widmete – der Malerei, und ermöglichen einen intensiven Blick auf die enorme Vielfalt seiner abstrakten Bildschöpfungen.

Freiheit und Unabhängigkeit als Leitmotive
„Den ersten Weltkrieg hat er kaum wahrgenommen, die Zeit danach, der Faschismus und der Zweite Weltkrieg mit Denk- und Malverbot waren und sind für ihn maßgeblich für seine Haltung im Leben und in der Kunst. Freiheit und Unabhängigkeit sind seine Leitmotive, denen er bis heute treu geblieben ist. Karl Otto Götz gehört zu den Künstlern, die unserem Land nach 1945 die kulturelle Würde wieder zurückgegeben haben, und ist einer dieser wichtigen Boten der Freiheit. Diese Freiheit spiegelt sich in seinem künstlerischen Vorgehen bis heute“, charakterisiert MKM-Direktor Walter Smerling K.O. Götz‘ Position als Maler und impulsgebenden Professor an der Kunstakademie Düsseldorf (1959 – 1979).

Jonction II, 1991 Mischtechnik auf Leinwand, 220 x 520 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 Foto: Olaf Bergmann, Witten
Jonction II, 1991 Mischtechnik auf Leinwand, 220 x 520 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 Foto: Olaf Bergmann, Witten

Planung und Zufall
Verbunden mit den Motiven der Freiheit und Unabhängigkeit ist die konsequente Loslösung von der traditionellen Formensprache, von allem Gegenständlichen in der Bildkomposition. Sie ist den Informel-Künstlern länderübergreifend zueigen. Bei K.O. Götz manifestiert sie sich in seiner spezifisch rasanten, von extremer Spontaneität geprägten Ausführung des Malaktes als solchem, dem aber eine sorgfältige Planung vorausgeht, und mündet in der für ihn so charakteristischen, im Laufe der Jahrzehnte ständig verfeinerten Bildtechnik. Geschwindigkeit und die von ihm entwickelte Rakel- Technik werden zu den Markenzeichen seiner Kunst.

Die informelle Malweise von K.O. Götz kristallisiert sich schon in seinem Frühwerk heraus. Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre wird diese Entwicklung dann befruchtet von Begegnungen mit Künstlern wie Hans Hartung, Pierre Soulages und Wols und dem Kennenlernen der Werke von Jackson Pollock und Willem de Kooning in Paris. 1952 gibt die sogenannte Quadriga-Ausstellung in der Zimmergalerie Franck in Frankfurt am Main mit Werken von Götz sowie Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze den Startschuss für das deutsche Informel.



Im MKM dokumentiert – nach einigen frühen, vor-informellen Arbeiten und solchen der sogenannten Übergangsphase Anfang der 1950er Jahre – die Arbeit 7.9.52 – letztes Ölbild (1952) schon allein im Titel eindrucksvoll den Paradigmenwechsel. Fortan bis in die 2000er Jahre wird sich der Künstler der Entwicklung seiner gestisch-dynamischen, großformatigen Bildwelten widmen und so führen die folgenden Ausstellungsräume direkt weiter in die informellen Bilder der 1950er und 1960er Jahre, die einen der Hauptschwerpunkte der Retrospektive einnehmen. Ein weiterer Fokus liegt auf den kraftvoll-energetischen Schwarz-Weiß-Arbeiten, die im Laufe der 1990er Jahre entstehen. Sie heben, wie schon die vorangegangenen Schaffensperioden, das Experimentelle, stets das Neue Suchende in Götz’ künstlerischem Vorgehen hervor, ebenso wie die Systematik der Serie, die sich in seinem Gesamtwerk festschreibt und – einem Gegengewicht gleich – die Grenzen des Experimentellen bis zum Äußersten auslotet. Darüber hinaus werden einige „Klassiker“ präsentiert, wie z.B. das CoBrA-Bild „Anti-Atomraketen-Triptychon“, zwei der insgesamt drei großformatigen Jonction-Bilder, die der Künstler unter dem Eindruck der deutschen Wiedervereinigung malt, und eine der jüngsten Arbeiten von K.O. Götz – I-Elemente I aus dem Jahr 2010.
Die Werkschau im Museum Küppersmühle konzentriert sich auf das Sujet der Malerei in K.O. Götz‘ Œuvre und folgt der Entwicklung seines malerischen Werkes weitgehend chronologisch. Die Ausstellung bietet aber auch im großen Saal sowie drei weiteren Räumen überraschende Gegenüberstellungen von Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen. Beides erfolgt mit dem Ziel, sowohl Götz-Kennern wie „Neulingen“ einen unverbrauchten Blick in die einzigartige Bildsprache dieses großen Informellen mit seinen unwirklichen, fließenden Schemen und Formen einerseits und den kraftvollen Strukturen und Schwüngen andererseits zu gewähren, und darüber hinaus dessen Bedeutung für die internationale Kunstentwicklung nach 1945 herauszustellen.

Organisation
Eine Ausstellung des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg in Kooperation mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin und dem Museum Wiesbaden. Verantwortlich für die Organisation der K.O. GÖTZ-Retrospektive zum 100. Geburtstag des Künstlers im MKM ist die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn. Kuratorin der Ausstellung im MKM ist Ina Ströher.



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