Schiedsrichter Babak Rafati spricht bei Fachforum zur psychischen Gesundheit

04.08.2017 - 16:56 Uhr

Prof. Dr. med. Wolfgang Senf, Franz Knieps, Vorstand BKK Dachverband, Babak Rafati, Dieter Lieske, IG Metall Duisburg
Prof. Dr. med. Wolfgang Senf, Franz Knieps, Vorstand BKK Dachverband, Babak Rafati, Dieter Lieske, IG Metall Duisburg

Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Für eine neue Führungskultur, die sie stoppen kann, werben unter anderem thyssenkrupp Steel Europe und die Novitas BKK. Vor 220 Gästen beim Fachforum „Respektvoll führen – psychische Gesundheit fördern“ im tk-Bildungszentrum in Duisburg bezog thyssenkrupp-Personalvorstand Thomas Schlenz kompromisslos Position: „Arbeitsunfähigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen hat sich in den vergangenen 11 Jahren um 97 Prozent erhöht. Für uns ist das Thema deshalb eine Herzensangelegenheit und kein Pflichtprogramm.“

Der Begriff „Respektvoll führen“ hätte vor einigen Jahren wohl noch Verwunderung ausgelöst. „Denn Respekt“, so Novitas BKK-Vorständin Kirsten Budde, „das war immer das, was die Mitarbeiter dem Vorgesetzten schuldeten, nicht umgekehrt.“ Für Kirsten Budde ist das eine Folge des Fortschritts, der eine deutliche Reduzierung schwerer Arbeitsunfälle gebracht hat, aber auch eine enorme Arbeitsverdichtung und immer mehr Erreichbarkeit rund um die Uhr. Zugleich zwingt der Fortschritt die Unternehmen, ihre Mitarbeiter nicht nur als Menschen, sondern auch als wertvolle Produktionsfaktoren zu achten. Und das Gute ist, so Kirsten Budde: „Je stärker man den Menschen als Menschen respektiert, desto stärker wird er auch als Produktionsfaktor.“

Mit Spannung erwarteten die Gäste den Vortrag von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati. 2011 versuchte Rafati sich in einem Kölner Hotel das Leben zu nehmen, sensibilisiert die Öffentlichkeit seitdem für die Tabuthemen Depressionen und Burnout. „Ich bin ein Paradebeispiel für typisch falsche Denkmuster im Berufsalltag“, so Rafati. Die Depression entwickelte sich bei ihm schleichend. „Ich war antriebslos, konnte nicht mehr schlafen und hatte panische Angst, Fehler zu machen. Nicht ich habe entschieden, nicht mehr Leben zu wollen, sondern die Krankheit.“ Mit Hilfe seiner Familie und einer Therapie fand er zurück ins Leben. „Heute weiß ich, mich hat niemand getrieben. Ich habe mich selbst getrieben.“

Was können Unternehmen konkret für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun? Der angesehene Psychiater Prof. Dr. med. Wolfgang Senf (Universität Duisburg-Essen) warb für ein Umdenken in Schule und Beruf: „Wir müssen weg davon, Defizite auszumerzen. Wir müssen die Menschen da stärken, wo sie gut sind. Jeder darf sich leisten, in etwas schlecht zu sein. Das was ein Mensch nicht kann, das soll man ihm auch lassen!“

Die Novitas BKK ist Kooperationspartner von psyGA (Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt www.psyga.info) und unterstützt Betriebe, Führungskräfte und Beschäftigte mit Informationen, Handlungshilfen und Beispielen für Gesundheitsförderung aus dem Arbeitsalltag sowie einer eigenen Veranstaltungsreihe. Das Fachforum fand in Kooperation mit thyssenkrupp statt.

  • Bodega del Puerto schließt Ende des Jahres

    Das beliebte spanische Restaurant stellt den Betrieb ein. Die Betreibergesellschaft HB Hafen-Gastronomie GmbH mit Sitz in Bremen hat den am 31.12.2017 auslaufenden Pachtvertrag nicht verlängert.

  • Duisburger Beispiel 2017 für Borderline-Projekte

    Es gibt Erkrankungen, über die redet man nicht gern. Umso wichtiger ist dann, dass andere es tun. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Sören Link hat die Novitas BKK deshalb das „Duisburger Beispiel“ ins Leben gerufen.

  • Frech, Wild & Wunderbar - Eine interaktive Familienausstellung

    Frech, wild & wunderbar – Schwedische Kinderbuchwelten heißt die neue Familienausstellung, die am 27. Oktober um 16 Uhr im Explorado Kindermuseums am Duisburger Innenhafen eröffnet wird.

  • Feuerwehrelch meisterte Einsatz souverän

    Über 80 Kinder, deren Eltern und Großeltern waren am vergangenen Freitag der Einladung der Volksbank Rhein-Ruhr an den Innenhafen gefolgt und verbrachten einen „feuerwehrtastischen“ Nachmittag im Atrium des Bankgebäudes.