Wenn die Bank verliert: Lokale Casinos in der Krise

Die fortschreitende Digitalisierung lässt neue Opfer ans Tageslicht treten. Seit Jahren müssen lokale Zeitungen Stellen streichen oder den Betrieb komplett aufgeben. Nun scheint Casinos dasselbe Schicksal zu treffen. Die Glücksspielgesellschaft Westspiel hat Verluste in Millionenhöhe verbucht. Ihre Kunden zocken vermehrt online.

Die Bank gewinnt immer, heißt es bekanntlich. Für den NRW-Casinobetreiber scheint der Slogan nicht zu gelten. Das Unternehmen befindet sich im Besitz der NRW-Förderbank und betreibt Spielbanken unter anderem in Duisburg. Der Erfolg bleibt seit Jahren aus: Seit der Eröffnung im Jahr 2007 gingen die Besucherzahlen in Duisburg um 200.000 zurück.

Internetzockerei trübt das Geschäft

Traditionelle Casinos in Duisburg, aber auch anderen Teilen Deutschland, verlieren den Kampf gegen Online-Spielautomaten. Ein der Funke-Mediengruppe vorliegendes Papier zeigt die Auswirkungen des seit Jahren schlecht laufenden Geschäfts: Zwischen 2009 und 2013 hat das Unternehmen Verluste in Höhe von rund 34 Millionen Euro eingefahren.

Die Millionenverluste sind nicht überraschend. Seit Jahren wächst das Angebot an Glücksspielen. Zu den Klassikern Lotto und Spielbanken gesellen sich nun Online-Spielautomaten sowie Wettbüros. Auch Onlinepoker erfreut sich großer Beliebtheit.

Mehr als jeder Dritte (37,3 Prozent) nahm 2015 an Glücksspielen teil, wie aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Deutschen Lotto- und Totoblock hervorgeht1. Zwar ist die Glücksspielteilnahme rückläufig (2014: 40,2 Prozent), jedoch beteiligen sich mehr junge Männer an illegalen Sportwetten (von 5,7 Prozent 2013 auf 12,6 Prozent im Jahr 2015).

An Spielautomaten zu Hause & unterwegs zocken

Das Geschäft mit Online-Spielautomaten wächst seit Jahren und läuft den lokalen Casinos den Rang ab. Der Trend ist eine Entwicklung, die der Digitalisierung zu verdanken ist. Menschen sind bequeme Lebewesen, die Angebote bevorzugen, die von ihnen ausgehend wenig Aufwand erfordern.

An Online-Spielautomaten können sie bequem von zu Hause aus spielen, ohne die gewohnte Umgebung zu verlassen. Anders als in Casinos haben sie die Möglichkeit, mit Spielgeld zu zocken, ohne finanzielle Verluste hinnehmen zu müssen. Später können sie echte Investitionen tätigen und von Einzahlboni profitieren.

Die simulierten Glücksspiele erfreuen sich insbesondere bei den jungen Verbrauchern großer Beliebtheit. Da Spielgeld im Einsatz ist, besteht keine Gefahr, in finanzielle Probleme zu geraten. Diese Spiele werden inzwischen auch über soziale Netzwerke angeboten. Das kostenlose Angebot soll neue Kunden anziehen, die später Gefallen an dem Angebot finden und echtes Geld investieren.

Spielautomaten können nicht nur am heimischen PC genutzt werden. Die Anbieter der Online-Spiele haben den Smartphone- und Tablet-Trend längst erkannt. Allein in Deutschland gibt es rund 31 Millionen Tablet-und 42 Millionen Smartphone-Nutzer. In beiden Gerätekategorien sollen jedes Jahr Millionen neue Nutzer hinzukommen. Sie alle sind eine potenzielle Zielgruppe für spezielle Apps, die Spielautomaten simulieren.

Derzeit haben nicht alle Betreiber von Online-Spielautomaten eine App im Angebot. Durch die wachsende Beliebtheit entwickeln immer mehr Unternehmen eine Applikation für Smartphones. Zocker können sich die App auf ihrem Android-Smartphone oder iPhone installieren und jederzeit auf sie zugreifen.



Psychologieprofessor warnt vor Internetspielsucht

Gegen die Nutzung von Online-Spielautomaten ist nichts einzuwenden. Für viele Menschen sind sie ein Hobby oder ein netter Zeitvertreib, dem sie aber nicht viel Zeit schenken. Doch einige Menschen steigern sich zu sehr in das Thema hinein.

Matthias Brand von der Universität Duisburg-Essen ist Mitglied der Arbeitsgruppe Computerspielsucht und Internetabhängigkeit. Er hat Menschen untersucht, die onlinesüchtig sind. Ohne das Internet können sie ihren Alltag nicht bewältigen. Dieses Verhalten sieht der Psychologieprofessor kritisch und fordert dringende Handlungsmaßnahmen.

In seinem Werk Neuropsychologie der Internetsucht beschreibt er, dass in den letzten Jahren immer mehr Menschen die Kontrolle über den Internetkonsum verlieren und in eine Sucht dieses Onlinemediums oder der exzessiven Nutzung bestimmter Applikationen verfallen. Betroffene leiden unter Kontrollverlust und Craving, die wiederum in sozialen Problemen münden.

Bisher wurde nur die Internet Gaming Disorder in die Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM–5) aufgenommen. Doch auch andere Formen der Internetsucht, beispielsweise Internet Gambling Disorder, sollten Experten zufolge hinzugefügt werden.

Schwächen sieht der Medienexperte beim deutschen Lehrplan, der keine wirksamen Methoden zur Prävention von Internetsucht durch eine frühe Aufklärung vorsieht. Den meist jungen Menschen fehlen Fähigkeiten im Bereich der Selbstkontrolle – und diese muss ihnen beigebracht werden.

Wer die Befürchtung hat, der Spielsucht verfallen zu sein, kann hier einen Test ausführen. Sollte das Ergebnis auf eine Sucht hindeuten, kann eine kostenlose Chat-Beratung auf der Seite weiterhelfen (Anmeldung erforderlich).

[1] Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2015

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