Valkental

Farbe absolut. Katharina Grosse x Gotthard Graubner

27.10.2019 | Kultur

MKM Ausstellung

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst zeigt ab 1. November 2019 eine neue Ausstellung am Duisburger Innenhafen:

Farbe absolut. Katharina Grosse x Gotthard Graubner

Das MKM präsentiert zwei herausragende Malerpersönlichkeiten erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung. Aus der Perspektive der international gefeierten Malerin Katharina Grosse (geb. 1961) sehen wir auf die legendären „Farbraumkörper“ Gotthard Graubners (1930-2013) und umgekehrt. In den 1980er-Jahren hatte Grosse einige Jahre lang die Klasse Graubners an der Düsseldorfer Akademie besucht, wo sie später selbst unterrichtete.

Dialog
Im Zentrum der Ausstellung steht der Dialog der Werke – und damit die Auseinandersetzung mit dem Wesen und den Möglichkeiten der Farbmalerei. Gemeinsamer Ausgangspunkt beider Künstler ist die Überzeugung von der überzeitlichen, existenziellen Kraft der Farbe, die sich unmittelbar auf den Betrachter überträgt und physisch erlebbar wird. Gleichzeitig wird in den Ausstellungsräumen greifbar, zu welch unterschiedlichen malerischen Konzepten Katharina Grosse und Gotthard Graubner gelangen, mit denen beide ihre jeweilige Zeit künstlerisch prägen.
„Das Aufeinandertreffen unserer Arbeiten ist nicht einfach“, so Katharina Grosse über die Ausstellung, „es birgt gewissermaßen sogar Konflikte in sich. Dennoch gehen unsere Arbeiten auf ähnliche Grundannahmen zurück, z.B. eine offene Struktur, die Energie der Farbe und deren Verbindung zum Körperlichen. Wobei das Überraschende ist, dass wir zu so verschiedenen Bildformen gekommen sind.“

Konzept
Kuratorin Eva Schmidt hat die Ausstellung nicht als „Retrospektiven von zwei Künstlern, die sich nebeneinander her entfalten“ konzipiert, sondern als „exemplarische Gegenüberstellungen, wobei natürlich das verbindende Glied die gegenstandslose Farbmalerei beider ist.“ Zu sehen sind rund 55 teils raumgreifende Werke. Sie lenken den Blick einerseits auf Verbindendes: das Interesse am Textilen, das Immaterielle, die Bedeutung von Schwellenwerken, die das Hauptwerk der Künstler andeuten. Andererseits werden die großen Unterschiede in der Bildsprache klar erkennbar: Ruhe, Stillstand und Schwerkraft bei Gotthard Graubner, energische Geste, dynamische Sprühtechnik und vielschichtige Abdeckstrategien bei Katharina Grosse. Herzstücke der Ausstellung sind eine 17m lange Tucharbeit Grosses und Graubners raumfüllender “Assisi-Zyklus”.

Künstler
Gotthard Graubner (1930-2013) zählt zu den herausragenden Malern der Nachkriegsmoderne. Seit den 1960er-Jahren erschloss er mit seinen objekthaften, wie Kissen gepolsterten „Farbraumkörpern“ eine neue räumliche Dimension des Bildes. Die Wirkung von Farbe ist das zentrale Thema seiner Malerei; sie wird in zahlreichen Schichten aufgetragen, durchtränkt den Bildkörper und verbindet sich schließlich mit ihm. Graubner hat wiederholt an der documenta teilgenommen sowie an den Biennalen von São Paulo und Venedig. 1988 entstanden zwei großformatige Werke für Schloss
Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. 1969-1995 war er Professor für Malerei an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und 1976-1998 an der Kunstakademie Düsseldorf.

Die Malerei von Katharina Grosse (geb. 1961) ist energetisch, unruhig, konfrontativ. Großflächige Sprühnebel und vertikale Tropfspuren verbinden sich in komplexen Schichtungen, in die sich auch Leerstellen mischen. Ihre kräftigen, industriellen Farben treffen den Betrachter mit unmittelbarer Wucht. Der Umgang mit einer kompressorbetriebenen Sprühpistole führte Ende der 1990er-Jahre zu einer Vergrößerung der Geste und begründete Grosses unhierarchische Auffassung des Zusammenhangs von Malerei, Bild und räumlicher Situation. Im Rahmen zahlreicher internationaler Einzel- und Gruppenausstellungen hat Grosse raumbezogene Malerei-Projekte in Innenräumen und urbanen Landschaften realisiert, u.a. auf den Biennalen von Sydney, São Paulo und Venedig, den Triennalen von New Orleans und Aarhus, für das MoMA PS1, in der Nationalgalerie Prag oder dem chi K11 art museum in Shanghai. 2000–2009 war sie Professorin für Malerei an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und 2010–2018 an der Kunstakademie Düsseldorf.
Zu sehen sind rund 55 raumfüllende Werke, darunter eine 17m lange Tucharbeit Katharina Grosses und Graubners mehrteiliger “Assisi-Zyklus”. Die Ausstellung läuft bis zum 26. Januar 2020.