NRWs Spielhallen werden weniger: Wie sich das Automatenspiel ins Internet verlagert
30.10.2026 | Unternehmen

Die Zahl der Spielhallen im Land Nordrhein-Westfalen ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig und hängen unter anderem mit den geltenden Mindestabständen von 350 Metern Luftlinie zwischen einzelnen Spielstätten zusammen. Viele Übergangsregelungen sind inzwischen ausgelaufen und nicht alle Spielhallenerlaubnisse wurden verlängert.
Im Jahr 2021 wurde zudem das Online-Automatenspiel bundesweit legalisiert und reguliert. Zwar lässt sich keine direkte Konkurrenz zwischen dem stationären und virtuellen Betrieb nachweisen, jedoch bieten Online-Slots eine bequeme Alternative für alle Spielinteressierten.
Spielhallenbestand in NRW schrumpft innerhalb von zwei Jahren um 9,4 %
Der Rückgang der Spielhallen in Nordrhein-Westfalen lässt sich inzwischen deutlich beziffern. Zwischen Anfang 2024 und Anfang 2026 sank die Zahl der Spielhallenstandorte in den vergleichbaren Kommunen um 9,4 %.
Die Zahl der Spielhallenkonzessionen ging ebenfalls um 9,4 % zurück, während die Anzahl der Geldspielgeräte in Spielhallen um 9,3 % abnahm. Grundlage sind Angaben der kommunalen Ordnungsämter, die im Rahmen einer vom NRW-Sozialministerium beauftragten Studie ausgewertet wurden.
Die Erhebung umfasst 346 der insgesamt 396 Kommunen des Bundeslandes. Der Rückgang betrifft auch die Großstädte, in denen zahlreiche Spielhallen auf engem Raum um Kunden konkurrieren. Dazu gehören Düsseldorf, Köln und Duisburg.
Eine Auswertung des NRW-Gesundheitsministeriums, über die der Kölner Stadt-Anzeiger im November 2024 berichtete, verzeichnete für Köln 136 Spielhallen, für Dortmund 99 und für Duisburg 96. Damit gehörten diese Städte zu den größten Spielhallenstandorten Nordrhein-Westfalens.
Wie stark sich das Angebot innerhalb weniger Jahre verändern kann, zeigen die aktuellen Zahlen aus Düsseldorf. Nach Angaben der Stadtverwaltung sank die Zahl der Spielhallen von 80 Ende 2021 auf 78 im Jahr 2022, 77 im Jahr 2023 und 68 Ende 2024.
Zum Jahresende 2025 waren noch 63 Spielhallen in Betrieb. Bis zum 9. Juli 2026 reduzierte sich ihre Zahl weiter auf 62. Das entspricht einem Rückgang um 22,5 % gegenüber Ende 2021. Neue Spielhallen wurden in diesem Zeitraum nicht eröffnet.
Breites Angebot an Online-Spielotheken seit der Legalisierung
Das digitale Pendant zur klassischen Spielhalle sind die Online-Spielotheken. Ihre Betreiber werden von den zuständigen Behörden offiziell als Veranstalter virtueller Automatenspiele bezeichnet. Unter virtuellen Automatenspielen versteht man digitale Versionen klassischer Spielautomaten, die über das Internet gespielt werden.
Ein bekanntes Beispiel ist der Slot Book of Ra, der mit seinen ägyptischen Symbolen und dem Freispiel-Feature zu den bekanntesten Automatenspielen gehört. In Deutschland dürfen solche Online-Slots ausschließlich von staatlich lizenzierten Anbietern wie Tipico angeboten werden.
Die gesetzliche Grundlage für den Betrieb von Online-Spielotheken schuf der Glücksspielstaatsvertrag 2021. Die ersten Lizenzen für virtuelle Automatenspiele wurden im April 2022 vergeben. Seitdem ist die Auswahl an legalen Anbietern deutlich gewachsen.
Laut der aktuellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verfügen inzwischen 36 Unternehmen über eine entsprechende Erlaubnis. Die Zielgruppe der Online-Spielotheken unterscheidet sich kaum von der klassischer Spielhallen.
Das Angebot richtet sich an volljährige Menschen, die gerne an Spielautomaten spielen, dafür aber nicht unbedingt eine Spielstätte aufsuchen möchten. Stattdessen können sie die Spiele von zu Hause oder unterwegs aufrufen und sind dabei nicht an feste Öffnungszeiten gebunden.
Unterschiedliche Gesetze und Limits für Online-Slots und Spielhallen
Obwohl das Spielprinzip weitgehend identisch ist, unterscheiden sich die gesetzlichen Vorgaben für stationäre und virtuelle Spielautomaten erheblich. Für Geldspielgeräte in Spielhallen gilt die bundesweite Spielverordnung, während Online-Slots den Bestimmungen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 unterliegen.
Das betrifft sowohl die erlaubten Einsätze und Gewinne als auch die Geschwindigkeit der Spielabläufe. An stationären Spielautomaten dürfen innerhalb von fünf Sekunden höchstens 20 Cent eingesetzt werden. Höhere Einsätze sind nur bei entsprechend längeren Zeitabständen erlaubt.
Bei einem Einsatz von 2,30 € müssen beispielsweise 75 Sekunden zwischen zwei Geldeinsätzen liegen. In der Praxis bedeutet das allerdings nicht, dass Spieler so lange auf das Ergebnis einer einzelnen Spielrunde warten müssen. Moderne Geldspielgeräte trennen die gesetzlich geregelten Geldbuchungen von den eigentlichen Spielabläufen.
Dadurch können mehrere kurze Spielrunden stattfinden, während die vorgeschriebenen Zeitabstände für die Geldeinsätze eingehalten werden.

Verschiedene Grenzen für Gewinne und Verluste
Aber auch die möglichen Gewinne sind begrenzt. Innerhalb einer Stunde darf ein stationäres Geldspielgerät maximal 400 € Nettogewinn ermöglichen. Für Verluste indes gilt eine Grenze von 60€ pro Stunde. Bei Online-Slots gibt es dagegen keine vergleichbare Begrenzung der Gewinne. Verlustlimits hingegen können individuell im eigenen Spielerkonto gesezt werden.
Der reguläre Höchsteinsatz pro Spielrunde beträgt 1 €, wobei seit Juli 2026 unter bestimmten Voraussetzungen auch Einsätze von bis zu 5 € erlaubt sind. Im Gegenzug gelten für virtuelle Automatenspiele aber noch weitere Einschränkungen.
Zum Beispiel muss jeder Spin muss einzeln gestartet werden, da automatische Spielabläufe (Autoplay) verboten sind. Zwischen zwei Spielen müssen zudem mindestens fünf Sekunden liegen und nach einer Stunde Spielzeit ist eine fünfminütige Pause vorgeschrieben.
Spielautomaten im wirtschaftlichen Kontext – Wie läuft das Geschäft in NRW?
in zahlenmäßiger Rückgang der Spielhallenstandorte und Konzessionen sagt noch wenig über den wirtschaftlichen Erfolg der Branche aus. Interessanter ist die Frage, wie sich die Einnahmen der verbliebenen Betriebe entwickeln. Einen Anhaltspunkt können die Steuereinnahmen liefern, allerdings ist die Datenlage in Nordrhein-Westfalen lückenhaft.
Geldspielgeräte unterliegen der kommunalen Vergnügungssteuer, deren Höhe die Städte und Gemeinden selbst festlegen. In Köln beträgt sie beispielsweise 20 % des Einspielergebnisses.
Die Stadt rechnete mit jährlichen Steuereinnahmen von rund 15 Millionen € aus Geldspielgeräten. Bochum verzeichnete 2023 tatsächliche Steuererträge aus Geldspielgeräten von rund 4,11 Millionen €, nach 4,04 Millionen € im Vorjahr.
Da die Besteuerung nicht landeseinheitlich geregelt ist und das Bundesfinanzministerium die kommunale Spielapparatesteuer nicht gesondert erfasst, fehlt eine vergleichbare landesweite Statistik.
Virtuelle Automatenspiele mit stabilen Steuereinnahmen
Für virtuelle Automatenspiele hingegen veröffentlicht das Bundesfinanzministerium verlässliche Steuerzahlen, die auch nach Bundesländern aufgeschlüsselt sind. In Nordrhein-Westfalen wurden 2022 rund 139,8 Millionen € an virtueller Automatensteuer eingenommen.
Im Jahr 2023 waren es 53,2 Millionen €, 2024 rund 48 Millionen € und 2025 etwa 46,9 Millionen €. Die virtuelle Automatensteuer beträgt 5,3 % der steuerpflichtigen Spieleinsätze. Besteuert wird also das Geld, das Spieler insgesamt einsetzen, unabhängig davon, wie viel sie anschließend wieder gewinnen.
Aus den Steuereinnahmen lässt sich deshalb das gesamte steuerpflichtige Einsatzvolumen errechnen. Für 2023 ergibt sich ein Betrag von rund 1 Milliarde €, für 2024 etwa 905 Millionen € und für 2025 rund 885 Millionen €. Diese Summen entsprechen ausdrücklich nicht den tatsächlichen Einnahmen der Anbieter.
Die Zahlen deuten somit auf ein vergleichsweise stabiles Geschäft in den Jahren 2023 bis 2025 hin. Auffällig bleibt der enorme Ausschlag im Jahr 2022. Eine offizielle Erklärung dafür lässt sich den veröffentlichten Steuerstatistiken nicht entnehmen.
Allerdings war 2022 auch das erste Jahr, in dem die ersten staatlichen Erlaubnisse für virtuelle Automatenspiele in Deutschland erteilt wurden. Ob der ungewöhnlich hohe Steuerbetrag damit zusammenhängt, bleibt offen.
